Geschrieben von Subhero   
Dienstag, 23. Dezember 2008

von Jack Black

Jack Black ist nicht der dickliche Amerikanische Filmhampelmann, welcher uns mit mittelmäßigen Komödien belästigt sondern lebte von 1868 - 1933 und saß davon einige Jahre in eben jenem berühmt berüchtigten Knast. Denn Jack Black war Berufseinbrecher. Ja, damals war das noch ein richtiger Job. Und Jack Black gehörte zu jenen kleinen Gaunern, welche für andere die Drecksarbeit verrichten mussten. Dafür landete er dann auch in Folsom Prison. Jenem berühmt berüchtigtem Knast, welcher Dank Johnny Cash und seinem „Folsom Prisom Blues“ und der dazugehörigen Live - Aufnahme aus jenem Gefängnis, zu zweifelhafter Berühmtheit gekommen ist.
Aus seiner Zeit im Knast erzählt und Jack Black. Und das ist wirklich eine Eindrucksvolle Geschichte die mich tief bewegt hat. Black klagt die Haftbedingungen und die Behandlung durch Aufseher und Direktoren an. Mensch, dass muss wirklich hart gewesen sein damals. Misshandlungen, harte Bestrafungen wie Zwangsjacken, welche die Menschen für immer verkrüppelten, Einzelhaft in feuchten, modrigen Löchern oder Drangsalierungen durch die Aufseher waren an der Tagesordnung. Dazu kommen die absolut miese medizinische Versorgung, sowie eine Gefangenenspeisung, welche den Namen Nahrung noch nicht einmal annähernd verdient hat. Das dies natürlich alles ein idealer Nährboden für weitere kriminelle Aktivitäten im Knast selber ist, leuchtet ein. So blüht nicht nur der Handel mit Opium, welcher aber eines der wichtigsten Standbeine in Folsom Prison der damaligen Zeit darstellt. Opium ist die Hoffung und der Untergang der Gefangenen.
Natürlich erfahren wir in diesem Buch auch etwas über die Ausbrüche aus Folsom Prison, welche ja Titel gebend für das Buch waren. Dabei wird mit jeglicher romantisierenden Vorstellung eines Gefängnissausbruches aufgeräumt.
Das Buch hat schon einige Jahre auf dem Buckel und wurde jetzt von Jerk Götterwind und Axel Monte endlich übersetzt. Ich glaube, die Beiden haben einen guten Job dabei gemacht, denn das Buch liest sich absolut flüssig und vor allem spannend. „Der große Ausbruch aus Folsom Prison“ ist ein hartes, aufwühlendes Buch, welches kaum einen Leser kalt lassen dürfte.

Infos: Verlag: Killroy Media, ISBN 978-3-931140-19-9, 96 S., 13,00 Euro, Hardcover

Subhero

 

www.extreme-aggression.de

 

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Der eben bei KILLROY media erschienene Band „Der große Ausbruch aus Folsom Prison“ von Jack Black (1886-1933) ist eine Pflichtlektüre für all diejenigen, die sich noch erkennen wollen, wenn sie morgens in den Spiegel sehen. Und das meine ich nicht nur, weil ich ein Fan und Bewunderer der Übersetzer Axel Monte (Ethnologe) und Jerk Götterwind (Dichter) bin, sondern weil uns das Buch (ebenso wie George Kennans’ über das russische Gefängnisleben im 19. Jahrhundert) daran erinnert, daß der US-Amerikanische Strafvollzug (wie eben auch der russische) eine unheilvolle Geschichte hat, deren Ende weder absehbar, noch von denen erwünscht ist, die Macht und Mittel hätten, Mißstände aus der Welt zu schaffen, die man an-sonsten nur in sogenannten Schurken- oder Dritte-Welt-Staaten vermutet. 
Wie schon in seiner Autobiographie „Du kommst nicht durch“, erschienen im Karin Kramer Verlag, ist die Erzählweise des Hobos und Berufseinbrechers Jack Black trotz widrigster Um-stände auch in „Der große Ausbruch aus Folsom Prison“ (im Gegensatz etwa zu Henri Char-rières „Papillon“ handelt es sich hier um einen Tatsachenbericht) von großer Ruhe und be-wundernswerter Gelassenheit geprägt. Unnötige Ausschweifungen bleiben uns erspart. Die Farce seiner Verurteilung zu 8 Jahren Folsom liest sich z.B. so: 
 
Alle, die in diesen Fall verwickelt waren, hatten sich einer schweren Straftat schuldig gemacht. Der erste Richter hat sich bestechen lassen. Die Polizei hat mich gelinkt. Die Zeugen haben Meineide geschworen. Der zweite Richter war so verflucht rechtschaffen, daß er seelenruhig dabei zugesehen hat, wie mich alle reingelegt haben. Mein Anwalt hat Diebesgut in Empfang genommen und einen Teil davon in die eigene Tasche gesteckt. Selbst die Vereinigung der Juweliere hat die Polizei um die Belohnung gebracht. Der einzige anständige Mensch in diesem Fall war der Mann, den ich beraubt hatte. Er bekam gar nichts, und ich bekam acht Jahre. 
 
Die haarsträubenden Zustände in Folsom, einem Knast für „Langzeithäftlinge, Gewohnheits-verbrecher und hoffnungslose Fälle“, in dem Folter, Hunger, Erniedrigung und Mord an der Tagesordnung waren, werden einfühlsam, klar und manchmal mit einem gewissen Galgen-humor beschrieben. Die seelische Verfassung in dem sich das Duzend Männer befand, die den großen Ausbruch planten und später auch durchführten, stellt sich folgendermaßen dar: 
Ich bin überzeugt, daß diese Männer, die den Ausbruch wagten, kaum damit rechneten, tat-sächlich fliehen zu können. Sie unternahmen den Versuch in der Erwartung, dabei getötet zu werden. Wenn sie konnten, würden sie fliehen, wenn nicht, dann würden sie einige der Männer töten, die sie haßten, und dann zufrieden in den Tod gehen. 
Wer glaubt, die Folterungen in Abu-Ghureib, der Terror in Guantanamo oder die alltägliche Erbarmungslosigkeit in nordamerikanischen Strafanstalten wäre keine Frage des Systems, sondern eine Sache ausschließlich der gegenwärtigen US-Regierung, verkennt die Lage und wird in „Der große Ausbruch aus Folsom Prison“ eines besseren belehrt. Gehen wir noch mal zurück auf Seite 35: 
Es bestand keinerlei Hoffnung auf Begnadigung, kaum Hoffnung auf vorzeitige Haftentlassung, nichts, auf das sich zu hoffen lohnte. Eher würde ein Sünder aus der Hölle entlassen als ein Sträfling aus dem Knast. 
 
Kein Wunder also, daß Monte und Götterwind „Der große Ausbruch aus Folsom Prison“ Leonard Peltier gewidmet haben.  
 
 
Florian Günther

 

www.edition-luekk-noesens.de

 

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