Der gute Jerk hat in seinem Buch  Gedichte und Stories aus den Jahren 1992 bis 2007 versammelt. Seine Gedichte bringt er mit wenigen Worten auf den Punk(t). Ein Mix aus melancholisch-pessimistischen und kämpferisch-politischen Sachen, die immer die Kraft zum Durchhalten mitbringen. Der Großteil seiner Stories ist eine wilde Mischung aus Grusel, Phantastik und Abenteuer, die unerwartet originell und für echte Überraschungen gut sind. In seinen punkigen Kurzgeschichten erzählt er kleine Geschichten aus dem Alltagswahnsinn eines Gesellschaftsverächters, keine hemmungslosen Saufgelage oder wilde Fickereien, wie sie häufig in Punkstories vorkommen. Sie sind jedoch wirkungsvoller als manch aufgeblasene Slamattacke. Gerade in seinen Lyrix zeigt Jerk, dass er mittlerweile zu den herausragenden Underground-Dichtern gehört.

Roland Adelmann, Plastic Bomb 70, Frühjahr 2010

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Es ist kein Geheimnis, daß Jerk Götterwind seit nunmehr knapp 20 Jahren seine unlyrischen Gedichte in seine Schreibmaschine hackt. Und es ist auch kein Geheimnis, daß diese Texte immer wieder in Fanzines, Anthologien und Einzelveröffentlichungen gedruckt werden.
Mit DIE VERDAMMTEN JAHRE zieht Götterwind, der beinahe alte Südhesse, nun Bilanz für sich und seine Leser. Er zieht persönliche Bilanz und präsentiert ausgewählte Gedichte,
die in dieser einzigartigen Zusammenstellung so kompakt wirken wie nie.
Ich war wieder einmal/ Der Außenseiter/ Das Stückchen Dreck/ An ihrem Tisch" dichtet er anläßlich seines eigenen Geburtstages, wohlwissend, daß er zwar altert, aber mit brüchigen Altersweisheiten soviel zu tun hat wie mit Zwirn und Krawatte. Doch gleichzeitig macht es ihm nichts aus, denn wie es sich gehört, ist Götterwind da, um zu kämpfen und reitet Attacken: Der Bus war völlig überfüllt/ Menschen über Menschen/ Und ihr Geruch nach Tod" oder aber auch expliziter: Ich habe eine Botschaft// Sterbt alle." Götterwinds Dichtung scheint passagenweise naiv, doch genau aus dieser Naivität, die man außer Götterwind selbst kaum einem Dichter verzeihen würde, schöpft er all seine Authentizität, Götterwinds Straßenbewußtsein steht fernab jeglicher Diskussion. Er weiß, daß das Sterben keine große Sache" ist und wütet kompromißlos, zornig und widerständig durch die Zeilen. Er ist nicht mehr der jüngste und noch lange nicht alt, dieser beinahe alte Südhesse, und er weiß, daß seine Heimstatt im Grunde die Welt ist: Der Schimmel ist nicht/ Mehr aus der Wohnung/ Zu bekommen." Auf die nächsten 20 Jahre, Bastard!
Urs Böke, Ox

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Die verdammten Jahre
von Jerk Götterwind

Jerk Götterwind gehört zu den Urgesteinen einer Szene, die man heute mehr verächtlich als mit Ehrerbietung als Social Beat bezeichnete. Nun mögen ja wie eben angedeutet die wenigsten der Autoren, welche vom Lesenden Untergrund als solche gebrandmarkt wurden, diesen Begriff – teils zu Recht. Dagegen kann man aber halten, dass Götterwind als Schriftsteller aber diesen Begriff sehr gut mit Leben füllt. Aber als Schriftsteller versteht er sich ja selbst nicht wirklich. Eher als Schriftsteller, der anderen vorgaukelt er wäre ein Schriftsteller bis jene feststellen, dass der Jerk wirklich ein Gaukler ist. So sieht er sich in seinen Texten auf jeden Fall selber. Und das trägt er auch offen zu Schau, zumindest in seien Worten, die mit diesem Buch zum ersten Mal in gebundener Form vorliegen. In diesem Buch hat Jerk sein eigenes kleines Best Of – Werk mit Lyrik und Kurzgeschichten aus den Jahren 1992 bis 2008 als Miniaturwerkschau zusammengestellt. Und das ist gut so. Denn Götterwind hat es wirklich drauf. Mögen sie doch schimpfen und was von wegen „Bukowski – Abklatsch“ in die Welt schreien, es ist Herrn Götterwind scheiß egal. Das darf es auch. Denn seine Texte, und hier vor allem die Lyrik, können für sich allein existieren und bestehen. Natürlich liefert Götterwind keine große deutsche Literatur ab und mit Sicherheit ist er auch kein Goethe oder Schiller, denn dann würde ihn auch Marcel R.R. lieb haben. Doch wer will das schon? Götterwind sicherlich nicht. Er packt lieber die Depression des eigenen Lebens in Worte, die markant und prägnant sind. Worte, die ins Herz treffen und sich von da aus tief in die Eingeweide fressen. Hier regiert keine Freude, denn das Leben ist kein Spaß. Das Leben ist die ständige Gratwanderung zwischen dem letzten Klimmen der Hoffnung, dass sich diese beschissene Welt, diese Menschen, doch noch ändern könnten und dem finalen Sprung von der Klippe. Das Meer da unten erwartet dich! Und auch schwimmen ist nicht möglich, wenn der Körper aufgeschlagen ist. Denn sie haben dir längst eine Zwangsjacke, die Zwangsjacke der Gesellschaft, angelegt. Und ist es nicht auch schön, so wunderbar herrlich, dir beim ersaufen zu zusehen? Dann lies dieses Buch.
Aber, trotz aller schwarzen Lebenslöcher, Götterwind hat auch eine romantische Ader. Jene kommt besonders in seinen Kurzgeschichten zum tragen. Kurzgeschichten, die eher die Gedankengänge eines verzweifelten Menschen, auf der Suche nach Sinn und Verstand in dieser Welt sind. Und seine Ruhe findet Götterwind immer dann, wenn sich ihm die Natur in all ihrer Schönheit offenbart, wenn ihm eine Punk- oder Crust- Kombo ihre heftigen Noisesalven entgegenschmettert. Doch dann kommt wieder ganz schnell der Besuch beim Psychiater und die Zwangsjacke lauert in jeder dunklen Seitenstraße. Aber zum Glück ist sich Jerk Götterwind ziemlich sicher, dass auch in ihm noch eine Flamme brennt, welche den Widerstand gegen diese trostlose Existenz am Leben erhält.

Infos: Verlag: Edition Paperone, ISBN 978-3-941134-15-7, 130 S., 9,95 Euro, Paperback

Subhero

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