Als ich das Buch so nebenbei auf dem Scheißhaus las, musste ich mehrmals die Luft anhalten. Nicht deshalb, weil mein Stuhlgang nicht funktionierte, sondern weil mir Zeile für Zeile, Gedicht für Gedicht und Seite für Seite die Nerven blank legten, und das hat was zu sagen. Genaugenommen hat Jerk Götterwind etwas zu sagen, was man sich anhören oder durchlesen sollte. Der Tod ist kein Spiel, sondern das Ziel des Lebens. Götterwind spielt nicht mit ihm, er zeigt ihn nur, weist mit dem Finger darauf und lässt ihn nicht aus den Augen. Manche Passagen wirken hart, weil sie eben real sind,  andrerseits “poltert” er in einer höchst sensiblen Sprache und versteckt sich nicht vor Ängsten, die man gerne verdrängen möchte. Wenn es heutzutage überhaupt noch ein Tabuthema gibt, dann ist es der Tod und das Sterben. Man möchte nichts darüber lesen und darüber hören, jedenfalls nichts, was einen selbst betrifft - betreffen könnte. Töten ist geil, sterben ist out. Man fürchtet sich und fürchten ist ebenfalls out. Auch Götterwind fürchtet sich wie jeder andere Mensch, er macht uns keine Illusionen weil es keine gibt, er macht uns keine Hoffnung. Mag man ihn als Pessimisten bezeichnen, so mag ich zufügen: Er ist der optimistischste Pessimist, weil er die Lage erkannt hat mit der sich 99% der Menschheit schwer tut. Der Titel dieses Buches zieht sich als Leitfaden durch 60 Gedichte und eine Story; damit man ihn nicht verliert, den Gedanken an den Tod. In “Warum den Tod mit Leben vergeuden” beschreibt Götterwind die tödliche Eintönigkeit des Daseins die nur zu einem Ziel führen kann. Er hat die Spielregeln erkannt.
Fast hätte ich vergessen mich abzuputzen, und das soll überdies etwas heißen.
key (social-beat.de/Seite eingestellt)

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Seit Jahren schreibt sich der Mann - offensichtlich angespornt von alkoholischen Getränken - seinenFrust über das eigene Leben und die beschissene Gesellschaft aus dem Leib. Seine Gedichte sind Aneinanderreihungen von Gedanken oder autobiographisch geprägte Geschichten, die so bildhaft und lebendig geschrieben sind, dass ich wirklich begeistert und ein wenig ergriffen bin. Hier wird nicht verbales Posing betrieben, sondern einer traut sich, ganz ohne exhibitionistisches Beiwerk seine Ängste anderen mitzuteilen. Groß, wirklich groß.
Ox-Fanzine