Da schreibt irgendwer, so ein Götterwind aus Südhessen, der eher an Elfenbeintürmen seine Blase entleert, als genau dort in der oberen Etage einzuziehen. Der in seiner eigenen Pisse stehenbleibt und exakt aus diesem Moment sein Thema wählt, um ein weiteres Gedicht aus seiner Brother Deluxe 800 zu hämmern ... denn Götterwind beschreibt immer wieder sein Unverständnis gegenüber einer maroden Welt und einer maroden Menschhheit, die das Überleben nicht verdient.
(Aus dem Vorwort von Urs Böke)

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Wer bei Gedichten an Reime oder blumige Gedanken, an pures Selbstmitleid oder die Schulbank denkt, sollte jetzt erst gar nicht weiterlesen. Neue Gedichte vom Götterwind, dass bedeutet: Harte Worte für harte Zeiten. Keine große Literatur, sondern Klartext, ein nüchterner Blick hinter die bröckelnden Fassaden der Welt. Hier schreibt einer, weil er muss, der schon einiges gesehen hat und die Welt trotzdem noch immer nicht verstehen kann: “Heute las ich die Schlagzeile/Das Europa ab 2001/Leben auf dem Mars suchen will/Ich suche schon seit 1967/Leben auf der Erde”. Oft geht Jerks Blick, mittlerweile nicht mehr alkoholgeschwängert, auf Nächte zurück, die genau das waren: Absturz, Suff, um die ganze Scheiße nicht mehr ertragen zu müssen. Und es wird kein Hehl draus gemacht, dass diese Zeit durchaus auch vermisst wird. Nicht selten sind die Texte ganz unverhohlen depressiv, so ist der Jerk wohl einfach. Es schwingt aber immer noch genug Wut mit, so dass man auf dem Damm bleibt. Wut auf die allgemeine Verdummung, den lyrisch-geistigen Dünnschiss des Literaturbetriebs oder den alltäglichen Stumpfsinn, mit dem man sich herumschlagen muss. Wer bei Gedichten also an Wut denkt, an Alkohol und durchzechte Nächte irgendwo oder an der Schreibmaschine, wo man sich auf die ein oder andere Art auskotzt, liegt hier goldrichtig.
Alex Strucken - Ox 03/2006 (Juni/Juli)

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Auch Jerk Götterwind, Punkrocker und Kommerzhasser, der immer noch in selber verlegten kleinen Bändchen seine Weltsicht zum besten gibt, diesmal in “Was sich so Leben nennt/Wilde Nächte” - Gedichte mit der Kraft einer im Eis implodierenden Wodkaflasche, Kurzprosa zwischen Schwermut und Aufbegehren und Jerk als Tiefschürfer der eigenen Mentalität, gerade noch so mit den Fingern am Fenstersims hängend, unter sich die brodelnde und vibrierende Jetztzeit, fremd in ihren bunten Farben.
Volly Tanner - Sojus Magazin Ausgabe 23 - Herbst 2006

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Der neue Doppelgedichtsband von Jerk Götterwind bietet genau das, was man erwartet. Um es mit den Worten Urs Bökes zu sagen, der das Vorwort beigesteuert hat: Gedichte, die einen vor den Latz geknallt werden. Und zwar ne ganze Menge davon. Muss ich hier noch viele Worte über Jerks Lyrik verlieren? Ich denke nicht, mir scheint sogar, dass er einer der in der derzeitigen Lit-Zinekultur meistabgedruckten Autoren ist, also wer ihn noch nicht kennt, der sollte einfach mal ein beliebiges Heft der letzten Jahre in die Hand nehmen, schon wird er mit der Nase auf seinen namen stoßen. Wahrscheinlich liegt es auch gerade an dieser Tatsache, dass einem beim Durchblättern dieses Doppelbandes immer wieder alte Bekannte begegnen, was alles andere als negativ gemeint ist, sondern nur umso mehr seinen aktuellen Status in der Szene hervorhebt. Genug der Lobeshymne, meine Empfehlung lautet, auch doch des recht hohen Preises, der sich mir auch im Zusammenhang mit der festen Bindung nicht ganz erschließt, kaufen!
Stefan Dietzmann, Straßenfeger 4